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  • Maria Wunder

An die Arbeit: ab morgen geht's wieder los - allerdings nicht für mich

Genießt ihr den letzten Sonntag der Osterferien? Morgen geht die Schule wieder los. Allgemeinbildende Schulen versorgen ihre Schüler wieder über diverse Clouds, Musikschulen halten ihre Schüler durch Online-Unterricht weiterhin an der Stange - zumindest die meisten. Die nächsten zwei Wochen soll sich an dieser Situation auch erstmal nichts ändern. Ab Anfang Mai können wir vielleicht auf einen Schritt in Richtung "Normalität" hoffen. Aber was ist denn mittlerweile eigentlich noch normal?

Was bedeutet für Euch "normal" in Zeiten von Corona? Was ist denn überhaupt noch normal? Läuft das Privatleben normal ab? Befindet sich Euer Arbeitsalltag im Normalzustand? Müsst ihr auf viel mehr Dinge verzichten als "normal"? Schöpft ihr aus manchen Dingen aktuell mehr Kraft als normalerweise? Was ist Normalität? Und ist diese anpassungsfähig?


Gibt es einen einheitlichen Normalzustand an deutschen Musikschulen? Ob private, städtische oder e.V.-Schulen - die Einheitlichkeit gibt es nicht. Überwiegend bieten die meisten Schulen weiterhin Online-Alternativen für Einzel- und Kleingruppenunterricht an. Für größere Gruppen, ob Bläserklasse oder EMP-Gruppen werden individuelle und kreative Konzepte entwickelt, um weiterhin eine Art des Unterrichts anbieten zu können. Die Kollegen stehen in regem Austausch und arbeiten Hand in Hand. Das Online-Angebot wird an den meisten Schulen mit dem Präsenzunterricht gleichgesetzt, daher bleiben auch häufig die Gebühren gleich. Vereinzelt kommt es vor, dass (oftmals städtische) Musikschulen Gebühren für einen bestimmten Zeitraum zurückerstatten. Andere, häufig e.V.- oder Privatschulen setzen auf die Solidarität der Eltern und Schüler und kommunizieren ganz offen, dass sie andernfalls ihre Lehrkräfte nicht mehr bezahlen können.


Ich bin ab morgen im Übrigen in Kurzarbeit, was bedeutet, dass ich meinen Schülern die oben aufgezählten Formen des Online-Unterrichts nicht mehr anbieten kann. Kurzarbeit bedeutet: es ist keine Arbeit vorhanden und es darf auch nicht gearbeitet werden. Nicht nur traurig für mich, da ich doch so viel Spaß am Unterrichten per Video hatte. Erst recht traurig für etliche meiner Schüler, die mir bereits rückgemeldet haben, dass sie dies sehr bedauern. Viele hoffen darauf, dass sofern sich die Situation bis Anfang Mai nicht ändert, doch wieder Online-Unterricht angeboten werden kann. Ob das der Fall sein wird, steht wohl in den Sternen. Apropos Sterne, ein heller Stern am Himmel strahlt für mich trotzdem noch, denn glücklicherweise habe ich noch ein paar private Schüler. Und die fahren auf meinen Online-Unterricht ebenso ab und sind sehr glücklich über die Abwechslung. Eine Abwechslung die doch quasi nur wir Musikschullehrer bieten können. In welchen anderen Bereichen ist es noch so gut umsetzbar, die Freizeitaktivität weiterhin anzubieten. Im Sportverein? Ich bin auch im Sportverein tätig, nicht mehr aktiv aber in der Organisation und im Vorstand. Natürlich kann man im Baseball- und Softballverein auch Videos an Mitglieder versenden, aber zum einen ist es eine Aktivität die viel Raum beansprucht und das wöchentliche Teamtraining kann einfach durch nichts ersetzt werden. Zumindest nicht so hervorragend, wie es der Online-Unterricht im Bereich Musik tut. Musizieren ist schon eine sehr körperliche Sache, die in vielen Dingen auch nur schwer bis gar nicht über Video kontrolliert werden kann - Abstriche müssen gemacht werden. Bei sportlichen Hobbys, wie auch beim Tanzen muss das dann doch noch viel schwieriger umsetzbar sein.


Ich bin keine Mama, aber zweifache Tante und weiß von meiner Schwester, dass ihr teilweise die Decke auf den Kopf fällt. Ihre Jungs beschäftigen sich zwar viel, sie hat einen sehr kreativen Ehemann, der auf die tollsten Ideen mit den Kids kommt. Da meine Schwester Musikerin ist, kann sie die Kinder auch beim Üben des Instruments unterstützen. Hausaufgabenbetreuung findet auch zu Hause statt. Ich denke, dass die Familie meiner Schwester ihren Alltag gut strukturiert und somit auch viel Luft aus den Segeln nimmt, damit die Kinder einen möglichst "normalen" (da wären wir wieder bei der Normalität) haben. Struktur ist wichtig für Kinder, erst recht in dieser belastenden Zeit. Daher ist es aus meiner Sicht auch enorm wichtig, den Kindern die Möglichkeiten für einen möglichst strukturierten und normalen Alltag zu bieten, wo es eben möglich ist. Somit entlastet man nicht nur die Eltern, sondern tut erst recht den Kindern etwas Gutes.


Es erfreut mich immer wieder, wenn ich die Facebook-Seiten des Tonkünstlerverbands BW, des Landesverbands der Musikschulen in Baden-Württemberg oder des VdMs durchscrolle und einen Zeitungsartikel nach dem anderen lesen kann, wo der Unterricht überall weiterhin online angeboten wird und wie viel positive Resonanz aufkommt. Meine EMP-Studienkollegen haben tolle Konzepte und Ideen entwickelt, auch für ihre Gruppen weiterhin Angebote zu machen. Teilweise können die Kinder quasi täglich online für eine halbe Stunde Musik machen. Die Lehrkräfte wechseln sich an den Wochentagen ab, die Gruppen werden in entsprechende Altersgruppen eingeteilt und die Eltern und Kinder können selbst entscheiden, welchen Unterricht sie wahrnehmen möchten. Ein Nachteil an dieser Sache ist vermutlich die Bindung zur Lehrperson, das ist wahr. Aber manchmal muss man auch etwas zurückstecken, um etwas auf die Beine zu stellen und ich bin der Meinung, dass dies doch erstmal nach einer ziemlich guten Alternative klingt.


Man sieht also, Ideenreichtum und Kreativität ist mehr gefragt als je zuvor. Denn die Leidtragenden an der ganzen Situation sollten doch nicht die Kinder sein, oder?


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