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  • Maria Wunder

Beneidenswert. Ein wenig Zeit für mich tut auch mal ganz gut...

Oft werde ich beneidet. Ja, es war eine Auszeit und ja, ich habe sie sehr intensiv genutzt und viele neue Möglichkeiten wahrgenommen, die sich mir geboten haben. Auch wenn es die letzten Tage, oder vielleicht auch Wochen ruhiger um mich geworden ist, ich bin noch da. Und ich bin immer noch scharf darauf, meine Meinung mit Euch zu teilen. Zwar habe ich mich die letzten Tage ein wenig zurück gelehnt - aber ich lebe noch. Und besser vielleicht als je zuvor...

"Glücklich sind die Menschen, wenn sie haben, was gut für sie ist." (Platon) Was gut für einen selbst ist, ist auf den ersten Blick nicht immer ganz leicht zu erkennen. Oft muss man sich schon ordentlich Raum schaffen, um zu sehen - zu spüren, was einem gut tut. Die letzten drei Monate haben vielen die Möglichkeit geboten, sich selbst Raum zu schaffen. Zumindest für mich war die Corona-Pandemie bisher sehr raumschaffend. Hin und wieder auch einengend, da die Sorgen doch gerne in den Vordergrund gerückt sind - und plötzlich hat man sich ganz klein gefühlt. Tatsächlich habe ich aktuell wieder mehr als bisher zuvor mit meinem persönlichen Freiraum zu kämpfen. Ich merke, dass die alltäglichen Geschäfte wieder losgehen und Routine zurückkehrt. Auch wenn ich ein Mensch bin, der sehr viel Routine im Leben braucht, fühle ich mich zur Zeit häufig erdrückt von der Entwicklung.


In meinem Freundeskreis gibt es die unterschiedlichsten Sparten an Menschen. Natürlich habe ich viele Musikerkollegen als Freunde, die die aktuelle Krise recht ähnlich wie ich bewältigt haben. Manche hatten andere Ansätze oder haben ihren Fokus anders gesetzt. Viele meiner Freunde sind jedoch auch keine Musiker. Überwiegend waren aber auch diese die letzten Wochen im Homeoffice oder sind es auch heute noch. Ein paar durften aber auch quasi permanent arbeiten gehen. Ich schreibe bewusst "durften" und nicht "mussten". Denn hier komme ich zu dem Punkt, dem Beneiden. Ich wurde tatsächlich oft beneidetet dafür, dass ich ja jetzt quasi ein recht entspanntes Leben habe und gar nicht wirklich arbeiten gehen kann. Auch in der Politik und im World Wide Web wurde ein großes Lob an die zahlreichen, tapferen Helfer ausgesprochen, die in den schlimmsten Phasen der Corona-Pandemie arbeiten gegangen sind. Ja! Hut ab - keine Frage. Absolut. Ich frage mich jedoch, welche der beiden Seiten nun beneidenswerter ist?


Ich möchte nicht behaupten, dass es beneidenswert ist, sich dem Risiko der Ansteckungsgefahr aussetzen zu müssen. Jedoch habe ich mir in den letzten Wochen schon hin und wieder gewünscht normal arbeiten gehen zu können. Mehr Struktur im Alltag zu haben. Sicheres Geld zu verdienen. Denn als Musikerin & Musikpädagogin, und ich spreche hier jetzt nicht nur von den Freischaffenden, waren die letzten Wochen absolut nervenaufreibend. Auch eben finanziell. Meine Zukunftsplanung hat sich aufgrund der Pandemie etwas geändert. Ich möchte mich breitflächiger aufstellen, denke auch, dass ich hier eine ganz gute Schiene fahre. Faszinierend an der ganzen Sache finde ich tatsächlich, dass ich nicht genau weiß, ob dieser Sinneswandel, der aktuell in mir vorgeht nun gut oder schlecht ist. Und noch viel wichtiger, wem habe ich diesen zu verdanken? Auf der einen Seite hat Corona mich komplett zurück geworfen, auf der anderen Seite habe ich dadurch vielleicht jede Menge neue Möglichkeiten entdeckt, die ich sonst nicht entdeckt hätte. Und mal ganz ehrlich - wenn man vor dem Abgrund steht ist Rückschritt ein Fortschritt. Ok ok ok ... ich möchte nicht sagen, dass ich vor dem Abgrund stehe oder stand... ;-) ganz so schlimm geht es mir dann doch nicht. Aber ich befinde mich öfters mal in einer Sackgasse, oder zumindest in einem Labyrinth, in welchem ich manchmal nur schwer einen Ausweg finde, der für mich zufriedenstellend ist.


Zufriedenstellend?! Wer zufrieden ist, ist auch glücklich. Und wann ist man zufrieden? Das ist natürlich bei jedem Menschen individuell unterschiedlich. Ich gehöre eher zu der Sorte der kritischen Menschen und gebe mich leider nur sehr schwer zufrieden mit einer Sache. Das macht es mir oft nicht besonders leicht im Leben, hat aber auch seine Vorteile, da ich dadurch vielleicht auch mehr erreichen kann, als ich mir im ersten Moment zutrauen würde. Ich bin zufrieden mit dem Weg, den ich momentan eingeschlagen habe - und vieles davon habe ich tatsächlich der Coronakrise zu verdanken. Jedoch bin ich nicht zufrieden mit der Lage, in welcher ich mich aktuell befinde. Denn bisher habe ich mich noch nicht entschieden, wie mein zukünftiges Berufsbild aussehen wird - ich fahre immer noch mehrgleisig, um keine Chancen zu verpassen. Doch aktuell stellt sich mir stark die Frage, ob sich diese Mehrgleisigkeit noch so sehr lohnt. Zumindest in dem Ausmaß, in welchem ich es betreibe.


Mehrgleisig zu fahren ist ungemein anstrengend. Mein Fokus liegt momentan ganz klar im Bereich Musikpädagogik, denn hiermit verdiene ich mein täglich Brot. Social Media habe ich in den letzten Wochen etwas zurückgefahren - ich wollte dies nicht unbedingt, aber die Zeit hat es einfach nicht zugelassen. Ich stehe nun vor der Herausforderung hier weiterhin aktiv zu bleiben, auch wenn der restliche Berufsalltag wieder nach und nach hochfährt. Und wer kennt es nicht - wenn man gestresst ist, fällt es einem umso schwieriger, kreativ zu sein. Zumindest ist dies bei mir der Fall. Geht es Euch da auch so? In letzter Zeit mache ich mir auch viele Gedanken bzgl. unserer Kulturorchester und Probespielen. Es stellt sich mir die Frage, wann wieder Probespiele stattfinden können - dies hängt doch mit Sicherheit auch davon ab, wann die Orchester wieder einen geregelten Alltag erleben dürfen. Ist das denn schon absehbar? Ich denke, solange unklar ist, wie sich die kulturelle Arbeit unserer Orchester entwickelt, bleibt es ebenso ungeklärt, wann hierfür wieder die Bewerbungsverfahren aufgenommen werden. Belehrt mich eines Besseren, aber ich kann es mir momentan nicht vorstellen... #beneidenswert #covid19 #corona #musikerin #musiker #musikpädagogik #musiklehrer #musikschulen #musiker #künstler

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