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  • Maria Wunder

Hurra, hurra - er ist wieder da. Der Präsenzunterricht.

Über drei Monate haben Lehrende und Lernende nun auf diesen Zeitpunkt gewartet. An manchen Schulen kam er etwas früher, an anderen später - aber er ist nun da, der Präsenzunterricht. Die wenigsten Angebote laufen noch im Online-Modus, manche bieten Mischangebote an: Hauptsache der Laden läuft wieder einigermaßen. Ich hatte heute meinen ersten Präsenzunterricht in Baden-Württemberg und es war grundsätzlich eine ziemlich schöne Sache. Es ist ungewohnt, ja. So lange haben wir Musikpädagogen nun online unterrichtet, es ist seltsam alle Schüler wieder face to face zu sehen. Seltsam, ja aber auch ziemlich schön!

An die Maske habe ich mich ja eigentlich mittlerweile gewöhnt. Ich bin natürlich froh, dass ich sie nicht ständig tragen muss, denn befreit atmen ist anders. Es war jedoch amüsant, sich von manchen wenigen Schülern die Ohren voll quatschen zu lassen, wie anstrengend es doch sei, dauernd diese Maske tragen zu müssen. Außerdem wäre es ja ein ziemlicher Quatsch, dass wir im Raum noch eine Plexischeibe dazwischen stehen haben - beim Handballtraining hat man das ja schließlich auch nicht und man verwende sogar den gleichen Ball... ja, was soll man dazu sagen?! Ich denke, den Schülern hat es auch ganz gut getan, mal wieder jemand anderen zu sehen. Auch wenn wir alle mittlerweile deutlich mehr Kontakt zu anderen Menschen haben als noch vor ein paar Wochen, aber ich hatte heute trotzdem beim ein oder anderen Schüler das Gefühl, das der Mitteilungsdrang äußerst groß ist.


Mich hat es natürlich auch interessiert, wie es den Schülern in den ivergangenen Monaten ergangen ist. Auch interessant ist zu hören, wie unterschiedlich ihr Schulalltag ist. Jedoch hat sich bei manchen auch nichts geändert, denn trotz Corona (vielleicht auch genau deshalb) hat man natürlich gar keine Zeit fürs Instrumentüben und es findet sich eine Ausrede nach der andere. Ja - tatsächlich war ich davon auch bereits nach einem Tag schon wieder genervt. Denn wenn ich eines nicht brauche, dann sind es Rechtfertigungen und Ausreden. Das habe ich schon vor Corona nicht leiden können...  Das manche Schüler in Zeiten von Corona scheinbar deutlich überfordert waren, habe ich bereits in einem älteren Blogeintrag geschrieben. Oftmals habe ich bereits im Onlineunterricht hören müssen, wie viele Aufgaben die Schüler im Home Office bekommen. Ich frage mich immer noch, wie die ganze Sache einzuschätzen ist. Schließlich hatten die meisten Schüler vor Corona doch auch 5-6 Stunden minimum Schule pro Tag und mussten dann noch anschließend ihre Hausaufgaben machen. Nun ja, vielleicht gehöre ich ja mittlerweile auch schon zu der Generation, die sich über die Jugend von heute beschwert, wer weiß...


Generell war mein erster Unterrichtstag im Präsenzunterricht in BW jedoch eine wirkliche Bereicherung. Die Umsetzung und Einhaltung des Hygienekonzepts war für alle Beteiligten kein Problem. Alles ist gut organisiert und ich habe glücklicherweise einen sehr großen Unterrichtsraum, in welchem es wirklich nicht mal ansatzweise schwer fällt, ausreichend Abstand zu halten. Tatsächlich ist die Soundqualität hinter diesen Folienwänden anders als neben der Wand, auch das Sprechen mit dem Schüler wird durch diese Wand enorm erschwert. Daran muss ich mich gewöhnen und scheinbar auch meine Ohren noch etwas besser trainieren - habe ja immerhin noch ca. 6 Wochen vor mir - mindestens ;-).


Es hat Spaß gemacht, endlich wieder mit dem Schüler gemeinsam spielen zu können oder ihn am Klavier zu begleiten. Die Zeit verging im Präsenzunterricht gefühlt rasend schnell, viel schneller als im Onlineunterricht. In den letzten Wochen des Onlineteachings habe ich wirklich sehr mit der Müdigkeit während der Arbeit gekämpft. Dieses ständige in den Bildschirm starren hat mich unfassbar müde und träge gemacht, gegen Ende wurde der Unterricht im Onlinemodus unfassbar anstrengend, wobei ich doch am Anfang so sehr Feuer und Flamme dafür war. Eine tolle (und in dieser Ausnahmesituation auch absolut gleichzusetzende) Alternative war es in jedem Fall trotzdem.


Durch den heutigen Unterricht habe ich bereits ein paar Pläne, wie ich die nächsten Wochen noch mehr ausschmücken kann. Ursprünglich hatte ich viel Woodwind-Projekte geplant, das Ensemblespiel ist aber immer noch nur schwer bis gar nicht umsetzbar. Evtl. werde ich hierfür aber eine andere Lösung finden - mal sehen. Dazu berichte ich dann an anderer Stelle - wenn es soweit ist :-) Mit drei meiner fortgeschrittenen Klarinettenschüler möchte ich ein Klarinettenquartett "gründen". Eines der Stücke, welches ich mit ihnen spielen möchte, habe ich auch als Einspielung auf meinem YouTube-Kanal. Eine der Schüler hat die ganze Coronazeit zu meinen Aufnahmen geübt und war heute im Unterricht absolut begeistert und wollte unbedingt, dass wir das Quartett-Projekt trotz Corona irgendwie weiter ausbauen können. Ich war total begeistert von ihrer Begeisterung wiederum, da ich damit gar nicht gerechnet hatte.


Auch meine Erwachsenenbläserklasse, auch drei Klarinetten, war so glücklich endlich wieder miteinander musizieren zu können. Wir hatten schon in den letzten Wochen ein paar Mal gemeinsam Onlineunterricht gemacht, einfach um sich mal wieder etwas auszutauschen und zu sehen. Gemeinsam spielen war da aber natürlich nicht drin, daher haben sie es jetzt umso mehr genießen können. Heute hatte ich außerdem meine "frischste" und auch fortgeschrittenste Schülerin. Gerade bei diesen beiden "Extremen" war es mir ein großes Anliegen bald wieder in den Präsenzunterricht zu starten. Bei meiner jüngsten Anfängerin kann ich so wenigstens ein bisschen besser nachvollziehen und helfen, wenn etwas nicht gleich klappt. Zwar kann ich immer nur aus der Distanz helfen, aber zumindest kann ich mir den Sitz des Blättchens mal anschauen und merke beispielsweise auch gleich, wenn die Blattschraube falsch herum aufgespannt wurde. Mit meiner Fortgeschrittenen mache ich aktuell Gates Fantasiestücke - an Klangbalance und der musikalischen Gestaltung des Stückes kann ich im Präsenzunterricht einfach um Welten besser arbeiten. Ton- und Artikulationsübungen hatten wir in den letzten drei Monaten quasi ad acta gelegt, jetzt können wir aber auch hier wieder loslegen.


Auch hat man gemerkt, was bei manchen einfach etwas auf der Strecke geblieben ist. Hier gibt es mit Sicherheit in einigen Dingen Nachholbedarf. Ich bin aber optimistisch, schaue mir nun die nächsten Unterrichtstage an und beobachte, ob sich Dinge vielleicht auch unabhängig von den Schülerindividuen durch die Reihen ziehen.  Wir werden sehen...


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