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  • Maria Wunder

Ich sage "Danke" und frage mich gleichzeitig: Wann nimmt das Alles ein Ende?

Positives Denken und der Glaube an sich selbst sind der Weg zum Erfolg. Nachdem ich übermotiviert in diese Corona-Pandemie gestartet bin, ist in den letzten Wochen die Motivation deutlich weniger geworden. Doch aktuell befinde ich mich wieder auf dem aufsteigenden Ast, auch wenn die täglichen Nachrichten immer noch erdrückend sind und nicht absehbar ist, wann wir Künstler denn endlich wieder auf die Bühne dürfen.

Bezüglich meiner Unterrichtstätigkeit haben sich zum einen ein paar Türen bereits wieder geöffnet, jedoch ist es in vielen Bereichen immer noch sehr durchwachsen was die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts anbelangt. Ich habe ein paar Schüler in Rheinland-Pfalz und hier werde ich ab kommender Woche wieder mit dem Face-to-Face-Unterricht beginnen. Natürlich nur unter strengen Auflagen: die Schüler warten vor der Türe, bis ich sie in den Raum hole; auf dem Flur gilt Maskenpflicht; ein Mindestabstand von 4-5 Metern wird eingehalten; der Schüler bringt seinen eigenen Notenständer und Bleistift mit; das Desinfektionsmittel wird mein bester Freund, und so weiter...


Es ist doch ziemlich seltsam nach so einem langem Stillstand wieder in den Präsenzunterricht zu starten - und dann noch unter diesen beschwerlichen Bedingungen. Ich frage mich, ob dieser Unterricht mit allen Schülern so gut umsetzbar ist und ob in manchen Fällen der Online-Unterricht nicht doch die leichtere Alternative wäre. Besonders bin ich gespannt auf den Unterricht mit den ganz Kleinen. Ich bin dann also mit den Kindern im Raum, kann ihnen aber bei nichts behilflich sein - und kann, wie auch im Online-Unterricht, nur aus der Ferne delegieren. Im Gegensatz zum Unterricht per Video ist nun keine Mama mehr in der Nähe, die mal eben aushelfen kann, wenn zum Beispiel die richtige Seite im Buch nicht gefunden wird. Da fängt es nämlich oft schon an...


Ich freue mich trotzdem einige meiner Schülerinnen und Schüler nun wieder in real zu sehen. Ich bin sehr gespannt, wie sie sich über die Online-Phase hinweg entwickelt haben. Bisher konnte ich nicht beobachten, dass die Schüler einen Rückschritt gemacht haben. Das wird sich aber vermutlich dann erst im Laufe der nächsten Wochen zeigen. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass alles klappt.


In Baden-Württemberg hingegen ist die Lage immer noch nicht ganz geklärt. Erst hieß es, dass ab dem 4. Mai wieder Präsenzunterricht aufgenommen werden kann. Dieses Wochenende kam jedoch die Corona-Verordnung Nr. 7 des Landes Baden-Württemberg raus, in welcher stand, dass der Präsenzunterricht an Musikschulen frühestens zum 11. Mai aufgenommen werden kann - auch in BW natürlich nur unter strengen Auflagen (§ 4 der Verordnung). Viele Musikschulen nutzen nun vermutlich die kommende Woche, wenn sie es nicht bereits getan haben, die Zeit und Möglichkeit, entsprechende Räume zu finden, welche den Anforderungen entsprechen und diese dann auszustatten. In der Musikschule meines Vaters zum Beispiel gibt es lediglich vier Räume die für einen Präsenzunterricht überhaupt in Frage kommen - und dann auch nur für Streicher, Gitarristen oder Pianisten. Bläser & Sänger benötigen noch größere Räume, um den vorgegebenen Mindestabstand zu halten. Hinzukommt, dass Musikschulunterricht mittlerweile auch häufig in Schulen bzw. städtischen Gebäuden statt findet, jedoch ist das Betreten von allgemeinbildenden Schulen in der Regel für Außenstehende untersagt. (§1 (1) der Corona-Verordnung der Landesregierung Nr. 7)


Nun heißt es - kreativ sein. Eine Möglichkeit ist es vielleicht, den Präsenz- und Online-Unterricht zu kombinieren, damit sich Lehrkräfte die Räumlichkeiten teilen können. Wobei es generell auch sehr sinnvoll wäre, wenn Lehrkräfte sich keine Räume teilen müssen, aufgrund der Bakterienvielfalt, die dort dann entstehen könnte - nun ja, aber wer hat schon den Luxus, so viele Riesenräume zu haben? Für Baden-Württemberg heißt es also, vorbereiten und gleichzeitig Füße still halten. Nichts überstürzen!


Es geht also in kleinen Schritten wieder in die richtige Richtung. Jedoch nur für den Einzelunterricht - nicht jedoch für größere Gruppen. Diese Art von Unterricht eröffnet ein noch viel größeres Problemfeld.


Vorerst sind bis einschließlich 31. August 2020 alle Großveranstaltungen gecancelt und es ist zu vermuten, dass dies noch länger anhält. Selbst wenn es schrittweise wieder erlaubt ist, stellt sich die Frage, ob man das verantworten kann. Aktuell müssen wir alle viel mehr Verantwortung übernehmen, als wir es sonst vielleicht machen. Weitsicht und Vernunft sind wichtige Eigenschaften - wichtiger denn je zuvor.


Ich beklage mich nicht, dass ich in 2020 mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auf meinen Urlaub verzichten muss. Mittlerweile habe ich das akzeptiert und versuche in kleinen Schritten zu denken. Es macht mich jedoch traurig, nicht mit meinen Kollegen gemeinsam musizieren zu können oder den Unterricht an der Hochschule wie gewohnt wahrzunehmen. Keine Konzerte, keine Konzertbesuche, keine kulturellen Veranstaltungen. Und doch scheint das aktuelle Angebot an Kultur stetig zu wachsen - wenn auch in einer ganz anderen Form. Ein Battle der sozialen Netzwerke - und doch ist alles recht friedlich, oder nicht? Ich empfinde es aktuell so, als wäre der Konkurrenzkampf etwas stillgelegt. Musikvereine beteiligen sich an Klopapier-Challenges, manche sind vielleicht etwas besser gelungen als die anderen, aber es erfreut sich doch jeder an diesen abwechslungsreichen Videos. Konzerte werden gestreamt, egal aus welchem Konzerthaus diese kommen. Musiker teilen ihre Videos und ihre Musik mit der Menschheit. Die acappella - App wird wahrscheinlich aktuell so viel genutzt wie nie zuvor. Manche spielen ihre Videos live ein, andere wiederum schneiden und tüfteln, um dann das Ergebnis zu präsentieren. Lustige Fail-Videos aus dem "Übezimmer" oder dem "Unterrichtsraum" werden geteilt - man lacht miteinander, aber macht sich nicht lustig übereinander. Hätten wir das alles auch so gemacht, wenn diese Corona-Krise nicht über uns gekommen wäre?


Ich sage DANKE an Corona. Nicht für Alles - mit Sicherheit nicht, und egal wie viel Freude ich durch diese Pandemie gewinnen konnte, wünsche ich mir nichts anderes, als dass sie ganz schnell vorüber geht. Danke sage ich, für Unmengen an Gesprächen mit Musikern, die ich sonst vielleicht nie kennengelernt hätte. Für viele tolle Videos, welche unter anderen Bedingungen vermutlich nie zustande gekommen wären. Für kreative Projekte, die auf einmal möglich sind. Für stärkende Kommentare. Für den Zusammenhalt. Für die Musik.


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