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  • Maria Wunder

Online-Unterricht: Nichts Halbes und nichts Ganzes?

Eigentlich benötige ich doch überhaupt keine Einleitung. Quasi jeder weiß doch mittlerweile, dass wir Musikpädagogen teilweise auf Online-Unterricht umstellen müssen. Aber Einleitungen sehen einfach so hübsch aus, machen die Sache rund und ordentlich. Ich mag es ordentlich.

Heute hatte ich meinen ersten Online-Unterricht mit sage und schreibe 4 Schülern (hintereinander). Ja, das ist nicht gerade viel. Aber für den Einstieg war ich da auch ganz dankbar für. Ich hatte heute einige meiner privaten Schüler. Ab Dienstag unterrichte ich dann auch die Schüler der Musikschule, an der ich festangestellt bin. War heute quasi eine Generalprobe - und eine äußerst gelungene, möchte ich sagen. Ich hatte vorhin einem Facebook-Freund im Kommentar geantwortet: "Ich glaube, ich war schon lang nicht mehr so aufgeregt vor einem Unterricht." Witzig, oder? Daher bin ich ja eigentlich schon in diesem Zeitalter aufgewachsen. ICQ, msn-Messanger und Skype waren schon damals total der Hit. Heute Morgen habe ich erstmal, nach meinem zweistündigen Morgenritual, mein Wohnzimmer in einen virtuellen Unterrichtsraum verwandelt. Ich habe geschaut, wie ich mein iPad am besten platzieren kann, sodass der Schüler mich - und aber auch mein Instrument - gut sehen kann. Der Notenständer sollte nicht im Weg sein, das MacBook musste auch in unmittelbarer Nähe sein, da ich dort eingescannte Noten hatte. Außerdem wollte ich mir während der Videokonferenz Notizen machen, damit ich den Schülern dann anschließend evtl. Videos oder Anregungen per Email zusenden kann. Ich habe lange überlegt, ob ich lieber mit meinem MacBook unterrichte und mein Zoom-Aufnahmegerät als Mikrofon anschließe. Aus logistischen Gründen habe ich mich dann aber doch für mein iPad ohne externes Mikro entschieden. Ich hatte irgendwie nicht so viel Lust meine schön eingerichtete Wohnung komplett auf den Kopf zu stellen. Das Problem war nämlich lediglich, dass ich nicht wusste, wo ich meinen MacBook abstellen soll, ohne dass er mich frontal von unten filmt, sodass man erstens überhaupt nix von meiner Mimik sieht, meiner Klarinette in den Becher schauen kann und dazu kommt dann auch noch, dass ich ein Doppelkinn habe. Also, nein - das wollte ich nun wirklich nicht. Mein iPad hat hervorragend auf den zweiten Notenständer gepasst. Über die Tonqualität hat sich auch kein Schüler beschwert. Wenn wir schon beim Ton sind: damit ich meine Schüler besser hören kann, habe ich Kopfhörer verwendet. Ich habe hierzu Bluetooth-Kopfhörer von JBL die echt klasse sind. Das finde ich persönlich schon eine sehr wichtige Sache. Der Ton ist grundsätzlich nicht ideal, über die Kopfhörer wird es jedoch deutlich besser. Meine Schwester wird es nächste Woche übrigens mit ihrer Bluetooth-Lautsprecherbox probieren - das wird bestimmt auch ein deutlich besseres Klangbild hergeben. Heute konnte ich mit all meinen privaten Schülern über Skype unterrichten. Ab Dienstag werde ich aber die Zoom-App dafür benutzen - hat übrigens nichts mit dem Aufnahmegerät von Zoom zu tun ;-). Diese habe ich mir schon Mitte der Woche runtergeladen, da die App schon in aller Munde ist. Zoom ist eine Video-Konferenz-App und wirklich sehr leicht zu bedienen. Hatte heute schon einen Testlauf mit meiner Schwester, morgen mache ich einen mit meinem Papa. Das Gute an Zoom ist, dass sich lediglich die Lehrkraft bei dieser App anmelden muss. Die Lehrperson lädt sich die App runter, meldet sich an und plant dann eine Videokonferenz. Diese kann entweder als Termin in der Ferne geplant werden oder direkt zum jetzigen Zeitpunkt. Zur Konferenz können dann andere Personen hinzugefügt werden, dies geschieht durch Zusendung eines Links (zB per Email oder Nachricht). Die Schüler / Eltern müssen dann lediglich auf den Link klicken, die App installieren und den restlichen Anweisungen folgen. Ich bin noch auf der Suche nach einer bestimmten Funktion. Ich hätte gerne, dass der nächste Schüler immer virtuell am Konferenz- bzw. Unterrichtsraum anklopfen kann. Ein Kollege hatte mir das neulich erzählt. Jedoch weiß ich nicht, ob dies in der kostenfreien Version inbegriffen ist. Da muss ich mich nochmal schlau machen. Ich unterrichte meine Schüler zu normalen Unterrichtszeiten. Sollte ich keine Anklopffunktion finden - und diese fände ich ganz gut, damit nicht plötzlich zwei Schüler gleichzeitig im "Raum" sind - werde ich mit den Schülern vereinbaren, dass sie wirklich erst um Punkt 17.00 Uhr (Bsp.) der Konferenz beitreten. So kann ich mit dem vorherigen Schüler ein paar Minuten früher Schluss machen. Nun habe ich zwei Punkte die ich erläutern möchte. Früher Schluss machen? Aber die zahlen doch die volle Zeit. Korrekt! Ich möchte meine Schüler gern im Laufe der Woche mit Videos und anderem Material füttern, für Rückfragen stehe ich jederzeit bereit. Ich denke, dafür kann man auch 2 Minuten früher "Schluss" machen. Ich habe heute schon gemerkt, dass die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts viel zeitintensiver ist, als bei einem normalen, gängigen Unterricht. So viele Aufnahmen wie heute habe ich schon lang nicht mehr gemacht. Man bedenke, ich hatte heute im Zeitraum von 10.45 - 15.00 Uhr nur 4 Schüler, davon zwei mit nur je 20 Minuten, eine mit 30 und eine mit 45 Minuten. Das sind 115 Minuten, war aber die kompletten 255 Minuten beschäftigt - und sogar noch darüber hinaus. Mein zweiter Punkt - der Konferenz beitreten: bei Zoom kann man entweder einfach ein Meeting starten, kurz bevor der Unterrichtstag beginnt und diesen Link mit seinen Schülern teilen. Ich habe mir jedoch vorgenommen ein Zoom-Meeting zu planen. Hierfür muss man im Kalender ein Meeting anlegen, diesen Link kann man dann schon frühzeitig an Eltern und Schüler verschicken. Beitreten kann man dem Meeting aber trotzdem erst, wenn es startet. Und das wäre bei mir dann mit dem ersten Schüler, enden würde es mit dem letzten. Da käme ich dann wieder auf meine Vereinbarung mit den Schülern zu sprechen, dass sie der Konferenz erst beitreten sollen, wenn ihre Unterrichtszeit beginnt. Hier geht es übrigens zu Zoom --> www.zoom.us Die Vor- und Nachbereitung beim Online-Unterricht ist übrigens, so denke ich, noch viel wichtiger als im normalen Unterricht. Ich habe beispielsweise nicht alle Lehrwerke meiner Schüler zu Hause, habe mir daher die Noten vorher als Scans zuschicken lassen. Während dem Unterricht achtet man automatisch auf eine sehr genaue Formulierung der eigenen Sätze und der Aufgabenstellung - man kann ja schließlich nicht einfach mit dem Finger auf die Zeile zeigen. Auch das empfinde ich als eine gute Übung für mich, denn wer kennt es nicht - Lehrer eignen sich bestimmte Floskeln an, die sie immer wieder sagen... machen häufig das Gleiche, haben ihren festen Wortschatz für den Unterricht. Jetzt muss man dann plötzlich doch mal variieren - zumindest ich ;-) ich habe nämlich heute gemerkt, dass ich an meiner Ausdrucksweise und der Deutlichkeit, Dinge schnell auf den Punkt zu bringen, definitiv noch arbeiten kann. Wie ihr meinem Headliner entnehmen könnt, bin ich jetzt nicht völlig Feuer und Flamme für den Online-Unterricht. Es gibt einfach zu viele Barrikaden, die ich nicht anders lösen kann, als durch einen face-to-face-Unterricht. Ich kann meiner Schülerin nicht behilflich sein, das Blatt zu richten. Ich sehe nicht deutlich genug, wie die Finger des Schülers auf den Ringklappen liegen, und ob das vielleicht der Grund für ständige Quietscher sein könnte. Auf Intonation und Klangentfaltung braucht man beim Online-Unterricht auch nicht allzu viel Wert legen. Aber was ich heute gemerkt habe - und witziger Weise hat ein Posaunenkollege heute genau das selbe beobachtet - hab ich durch den Online-Unterricht einen komplett anderen Blickwinkel auf meine Schüler. Normalerweise stehe ich neben meinen Schülern, hin und wieder schaue ich sie schon auch mal mehr von vorne an - aber so frontal wie heute saßen sie mir noch nie gegenüber. Das war super! Plötzlich hab ich Sachen gesehen, die ich sonst nie sehen. Ich bin also, trotz Einschränkungen, absolut begeistert vom Online-Unterricht. Ich bin sehr stolz auf meine Schüler, dass sie sich auf dieses Experiment eingelassen haben. Ich habe bereits von Eltern per Email Rückmeldung erhalten, dass der Unterricht ja wirklich erstaunlich gut geklappt hat. Es freut mich wirklich sehr, dass diese Sache so gut ankommt und ich hoffe, dass dies auch bei all meinen weiteren Schülern der Fall sein wird. Aber ich bin positiv gestimmt. Ich hatte gar keinen Grund heute morgen aufgeregt zu sein. Der Unterricht war absolut entspannt und spannend zugleich, wie er es sonst auch ist. Ich werde am Wochenende nun noch einige Videos drehen und Aufnahmen machen. Die Schüler sollen ja schließlich "gefüttert" werden. Online-Unterricht ist für mich aber keine langfristige Alternative, das ist ganz klar. Aber in der jetzigen Situation ist es eine absolute Bereicherung - nicht nur für meine Schüler hoffentlich, sondern auch für mich. Ich freue mich trotzdem, alle bald wieder in real life zu sehen! Anregungen und Ergänzungen sind sehr willkommen. Ich freu mich über regen Austausch mit Kollegen. Danke! #onlineunterricht #musiklehrer #instrumentalunterricht #klarinette #musikpädagoge #musikschule #zoom #ausdernotheraus #istwasgutesentstanden

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